Scheinheiligkeit

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Gerne gehe ich den Weg, der sich sanft durch die Gemüter zieht, der Hoffnung und Mut macht, der aufbaut und Licht aufzeigt.

Manchmal aber steigt auch in mir das polare Gegenteil auf und will angeschaut werden. So einen Moment erlebe ich gerade und möchte ihn mit Euch teilen.

Unverständnis macht sich in mir breit. Fragen beschäftigen mich und ich kann es einfach nicht fassen, dass unter dem Namen Gottes, gekleidet in verschiedenste Religionen, so rücksichtslos, autoritär und machtmissbrauchend gehandelt wird.

Wir leben in so einer aufgeklärten Zeit. Wie ist es da möglich, dass es Menschen gibt, die andere über den Glauben so beherrschen? Was sind das für Leute, die das mit sich machen lassen? Und was sind das für Leute, die das mit anderen machen?

Da wird von Männern über Frauen bestimmt, was sie dürfen oder nicht. Was ist das für ein Glaube, von dem Gewalt gegen andere Menschen ausgeht, die so weit führt, dass aus diesem Glauben Selbstmordattentäter hervorgehen? Woran bitte glauben diese Menschen?

Das scheint weit weg von uns zu sein und doch ist es ein Bestandteil in unserer gemeinsamen Welt und beeinflusst uns alle täglich.

Ganz nah bei uns gibt es unzählige freie Kirchen, mit denen ich so meine Bekanntschaft mache. Ich frage mich: warum nur?

Da werden ich von einer Baptistin mitleidig angelächelt, weil ich daran glaube, dass wir unser Leben selbst in der Hand haben und ich nicht verstehen will, was sie damit meint wenn sie sagt, dass wir alle schuldig sind, nur weil wir geboren worden sind. Großmütig nimmt sie sich Zeit für mich, um mir aufzuzeigen wie „dumm" ich doch bin, weil ich daran glaube, dass Gott in allem zu finden ist und ALLES was ist ausmacht, schließlich ist Gott eine Person die alles regelt. Wie stellen die sich das bitte vor? Sitzt Gott auf einer Wolke oder wo lebt dieser als Person? Wie sieht er denn aus? Glauben die das wirklich? Einen freien Willen haben wir auch nicht, meint sie, alles was wir erleben liegt in der Hand von Jesus, wir können gar nichts entscheiden. Ich frage sie, ob sie sich denn nicht dafür entschieden hat den Weg mit Jesus zu gehen? Darauf bekomme ich keine Antwort. Dafür werde ich während des gesamten Gespräches angelächelt. Dieses Lächeln belächelt mich, es hat nichts Freundliches oder Warmes, es ist für mich „scheinheilig".

Vor vielen Jahren erlebte ich eine Episode mit meiner Schwägerin, die Mitglied einer freien Kirche ist. Sie rief mich über viele Wochen immer wieder an und wollte mich bekehren. Sie meinte ich würde in die Hölle kommen, für das, was ich tue. Immer wieder verurteilte sie mich und meine Arbeit. Und wofür sollte ich in die Hölle kommen? Weil ich anderen Menschen aufzeige, wie sie ein sinnvolles und glückliches, vor allem selbstbestimmtest Leben führen können? Und was ist bitte die Hölle?

Sie gab keine Ruhe, wir mussten den Kontakt abbrechen, es war nicht auszuhalten. Tja, und wenn man sich ihr Leben anschaute mit all dem wie sie sich so verhielt in ihrem ganz persönlichen Umfeld, dann muss ich auch dazu sagen: Ich empfinde all das Gerede als „scheinheilig".

Jetzt erlebe ich ganz aktuell wieder so eine freikirchliche Gemeinde. Diese zog gerade neben unser Büro in die leerstehenden Büroräume.

Der Gründer tritt mit einem autoritären Verhalten auf. Rücksichtslos, unfreundlich und das was er sagt, hält er nicht ein. Da frage ich mich: Welche Werte werden denn da vermittelt? Als ich ihm sagte, ich verhalte mich anderen gegenüber so, wie ich es mir wünsche, dass man mich auch behandelt, meinte er. „Das wäre ehrenhaft". Er selbst wollte mir mehrfach verbieten das zu sagen, was ich sagen wollte. Er bezog im Gespräch die Position zu bestimmen, wie das Gespräch zu führen ist. Die Krönung ist, dass sie sich das Recht rausnehmen so laut zu sein, dass es meine Veranstaltungen sehr stört. Sie benutzen in dem kleinen Nachbarraum neben unserem Büro ein Mikrophon und einen Verstärker, sodass wir ungewollt miterleben, was sie dort veranstalten. Auf meine Bitte, die Termine miteinander abzugleichen und Lösungen zu finden, damit wir beide ungestört unserer Arbeit nachgehen können, wurde mir ein Telefonat versprochen, welches nie stattfand. Vielmehr winkte er mich kurz vor meinem Seminar raus und teilte mir mit, dass wir ihn nicht zu stören hätten. Was ich nie tat, das Gegenteil war mehrfach der Fall, wir wurden gestört. Mir gelingt es nicht, die autoritäre und abwertende Art hier zu beschreiben, also versuche ich es erst gar nicht. Aber auch hier muss ich mich fragen, was bewegt Menschen dazu, sich solchen Menschen anzuschließen, die „Christliche Werte" predigen, aber nicht leben? Und was nützen die ganzen Predigen, wenn man sich andere gegenüber so verhält? Ok, ich muss einräumen, dass ich gar nicht weiß, was sie predigen. Ich denke nur an die christlichen Werte, die ich aus den Worten Jesus ziehe, aber jeder hat da auch die Freiheit, etwas anders zu interpretieren.

Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht was das denn soll, dass ich mir hier Luft verschaffe. Tja, das frage ich mich auch gerade, was will ich euch damit sagen?

Ich habe heute einfach nur mal das Bedürfnis meine Fassungslosigkeit zu teilen. Ist es nicht erstaunlich, dass Menschen, wenn sie etwas unter dem Namen Gottes tun, sich Verhaltensweisen herausnehmen, die ein verpönter „Esoteriker" sich niemals erlauben würde? Außerdem würde er es auch überhaupt nicht wollen. Da werden in unserer Zeit Menschen, die sich mit Esoterik beschäftigen, verhöhnt und als Spinner abgetan, insbesondere von den gottesfürchtigen Gläubigen. All die Esoteriker, die ich in meinem Leben kennen lernen durfte und das waren viele, haben darauf geachtet, andere Menschen nicht zu verurteilen und ihnen mit Achtsamkeit zu begegnen. Sicher gibt es viele merkwürdige Gestalten unter ihnen, aber keine gewalttätigen, verurteilenden, rücksichtslosen und egoistischen. Und wenn ich es recht betrachte, wollte ich niemals zu den Esoterikern mit meiner Arbeit zählen, weil vieles unter diesem Namen eingeordnet wird, was ich persönlich nicht lebe und vermittle. Aber jetzt sage ich offen: Dann bitte ordnet mich und meine Arbeit meinetwegen unter der Esoterik ein! Richtig verstanden bedeutet der esoterische Weg den Weg zu gehen, der sich nach innen richtet und Lehren aus dem inneren Kreis lebt. Gerne sage ich dazu bekennend ja.

Und ja, ich glaube daran, dass wir es gemeinsam schaffen können in einer besseren Welt zu leben. Das wir eigenverantwortliche und machtvolle Geschöpfe sind, die mit allem was ist verbunden sind und eine Einheit bilden. Ich glaube auch an eine höhere Macht, mögen wir sie Gott nennen oder wie es die Hermetiker tun, das ALL - das ALLES. Ich glaube daran, dass unser Lebensraum mit geistigen Gesetzmäßigkeiten durchdrungen ist, die wir uns zu nutzen machen können und somit unser Leben planbar und sinnvoll ist. Wir sind keine machtlosen Marionetten, wir haben alle einen eigenen Willen mitbekommen und da es keine Zufälle gibt, sondern nur Ursache und Wirkung, glaube ich auch daran, dass wir diesen Willen einsetzen sollten um unsere Welt und Realität nach unseren Vorstellungen und Wünschen zu gestalten. Ich glaube auch an die Liebe, als höchste und beglückende Form uns auszudrücken. Ich nehme wahr, wie sehr wir alle geliebt werden und das die Liebe in allem zu finde ist.

Ich glaube daran, dass die Verbundenheit der natürliche Zustand ist und alles was Trennung hervorbringt dazu führt uns unwohl zu fühlen.

Und darum werde ich mich mit meiner spirituellen Ausrichtung, Wahrnehmung und Lebensweise nicht mehr im Hintergrund aufhalten, sondern so gut ich kann davon abgeben und andere inspirieren, Mut machen, Vertrauen schenken und lieben. Mitgefühl, Verständnis, Hilfe zur Selbsthilfe und vor allem möchte ich Wissen weiter geben, denn Wissen ist ein Gut, welches von der Machtlosigkeit loslöst. Umso mehr von uns wissen und erkennen, wie wunderbar unsere Rahmenbedingungen des Lebens funktionieren, umso leichter wird der Weg in Freiheit, in den Frieden, in die Gesundheit, in die Freude und die Liebe.

Und wenn jetzt einer von euch denkt, ich hätte hier verurteilt, dann meinetwegen auch das! Ich sehe es allerdings als Beurteilung und habe meine persönliche Sichtweise beschrieben. Ich bin mir aber durchaus bewusst, dass es viele Wahrheiten gibt und meine nur eine davon ist. Ich weiß auch, dass all das was ich erlebt habe, etwas mit mir zu tun hat. Und genau aus diesem Grund fühlte ich mich dazu bewogen diesen Newsletter zu schreiben.

Ich wünsche mir von Herzen ein besseres Miteinander. Mögen wir alle in ganz naher Zukunft in Frieden, Harmonie, Freude und Liebe miteinander verbunden sein und leben. Weltweit !

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesen eine wundervolle, verbundene Vorweihnachtszeit.

Babette Bielke